Gefällt mir nicht: Verschwörungstheorien und Bahnfahren

Gefällt mir nicht: Verschwörungstheorien und Bahnfahren

In Stuttgart haben also anscheinend Demonstranten einen Polizisten krankenhausreif geprügelt. Der Diskussion um den Bahnhofsbau fügt diese Ausschreitung nichts hinzu. Die Argumente gegen den Bahnhof werden durch so eine Tat nicht abgewertet, genausowenig wie ein durch einen Wasserwerfer verletzter Demonstrant auch nur ein Argument pro Neubau wegnimmt.

Dennoch werden diese Vorfälle selbstverständlich äußerst bewegt diskutiert. Natürlich – denn es geht um Menschenleben und körperliche Schäden, das kann man wunderbar als Argument gegen die Gegenseite benutzen.

Das Dumme an der Situation ist natürlich nur, daß nun auf beiden Seiten Gewalt angewandt wurde. Wie das eben in solchen Situationen häufig vorkommt. Sobald sich Menschen in großer Menge mit starken gegensätzlichen Überzeugungen emotional aufgewühlt gegenüberstehen, passiert es eben leicht, daß einzelne Menschen durchdrehen. Und andere mitreißen.

Was mich allerdings wirklich ärgert, sind die Reaktionen, die ich heute morgen auf Twitter verfolgen durfte: Es war nicht so, daß nun Gegner des Bahnhofsprojektes dafür ausgesprochen hätten, den Polizisten im Krankenhaus zu besuchen; es gab keine Forderungen nach harten Strafen gegen die Verursacher.

Sondern es wurden die blödesten Verschwörungstheorien herumgeworfen, nach der alten Weisheit „weil nicht sein kann, was nicht sein darf”. Wenn die Befürworter der eigenen Meinung Scheiße bauen, dann hat man das hinzunehmen. Vielleicht kann man der Gegenseite zeigen, daß man selbst menschlich bleibt und Bedauern ausdrücken.

Aber blind (und ohne auch nur den Hauch einer Logik) zu behaupten, der Polizist sei von Regierungsbeamten ins Krankenhaus geprügelt worden, das ist so dermaßen geschmacklos, daß ich das Kotzen kriege.

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