Die Guten?

Die Guten?

Selten hat mich ein Computerspiel so beeindruckt wie „Spec Ops: The Line“. Und zwar nicht, weil es spielerisch hochanspruchsvoll wäre oder die Grafik so besonders oder die Splattereffekte: Nein, Spec Ops hat etwas, das ich so noch nie in einem Shooter erlebt habe: Eine unheimlich gute Geschichte. Eine, die zum Nachdenken anregt.

Sie spielen die Story durch – und am Ende haben Sie einen Kloß im Hals. Die Besonderheit ist nämlich die: Sie sind nicht der strahlende Held, der gegen Massen von unheimlich bösen Menschen etwas Gutes bewirkt. Am treffendsten ist der Vergleich mit dem Roman „The Heart of Darkness“ oder eben auch die Filmadaption „Apocalypse Now“. Diesmal in Dubai spielend – und da ich die Stadt ein wenig kenne, muß ich sagen: Der Wiedererkennungswert ist hoch. Nur ging eben alles den Bach runter. Das moderne, klinisch wirkende Stadtzentrum ist dreckig, zerstört und hässlich. Die Feinde sind im eigentlichen Sinne keine.

The Horror! The Horror!

The Horror! The Horror!

Ich möchte Ihnen nicht zu viel von der Geschichte verraten, nur so viel: In meinen Augen gab es zuvor noch nie ein Spiel, das ich „Antikriegsspiel“ genannt hätte. So wie es auch nur wenige echte Antikriegsfilme gibt; die meisten zeigen ja doch nur den Krieg als Abenteuerspielzplatz erwachsener Kinder, in der die eine Seite klar „die Guten“ sind und die andere Seite das personifizierte Übel.

Was Yager (aus Berlin) hier abgeliefert hat, ist atmosphärisch das Beklemmendste, das ich je sah. In einigen Teilen übertrifft es den Film „Apocalypse Now“ sogar. Daß die Spielmechnik dabei nur Standard ist, fiel mir eigentlich erst nach dem Ende auf. Aber sie ist eben auch: solide.

Ich möchte diesen Titel denjenigen ans Herz legen, die sich mit dem Thema Krieg und vor allem „the greater good“ beschäftigen mögen. Die kein Schwarz/Weiß brauchen. Die sich nach dem Durchspielen mal richtig schlecht fühlen wollen und am liebsten noch Stunden danach über die Geschichte diskutieren wollen.

Für den kurzen Zeitvertreib taugt es nicht. Spätestens ab der Hälfte gab es für mich kein Zurück mehr: Ich wollte die Auflösung wissen. Ich wollte wissen, ob die drohenden Vorahnungen sich bestätigen würden (sie wurden weit übertroffen).

Bringen Sie Zeit mit, sehen Sie es nicht als lustiges Ballerspiel an. Spielen Sie es nüchtern – und das sage ich nur sehr selten über Spiele. Und machen Sie sich frei von der Erwartung, daß Sie am Ende fürs Durchspielen belohnt werden.

Der strahlende Held

Der strahlende Held

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